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Islam - und meine Konversion

In den zurückliegenden Monaten wurde ich auffallend häufig nach meinen Gründen für meine Konversion gefragt - nun auch hier, und ich gehe gern, wenn auch nicht rückhaltlos, darauf ein.

Um ganz verstehen zu können, woher ich komme, muss man wissen, dass ich einem katholischen Nestchen in Westfalen entstamme. Obschon mein eigenes Elternhaus nicht sonderlich religiös war und sonntägliche Kirchgänge sehr selten waren, war ich im Katholizismus eingebettet. Ich wohnte kaum einen Steinwurf von der Kirche entfernt, der Pastor ging wie selbstverständlich im Kindergarten und in der Schule ein und aus und eines Tages, in der Grundschule, sagte er nach Beendigung seines Religionsunterrichts: "Die Jungs bleiben noch mal kurz hier bitte."

Wir Jungs waren verdutzt - und blieben.

Man werde sich nachmittags mit Oktavheftchen und Bleistift an der Sakristei treffen, verkündete er. Wir wären ja jetzt Messdiener. Und so kam es.

Durch verschiedene Umstände verlor ich den Glauben vollständig. Ich begann sogar, religiös empfindende Menschen zumindest innerlich als etwas rückständig und unzulässig weich zu befrotzeln. Dann trat ich aus der Kirche aus.

Kurioserweise hatte mich eine Leidenschaft für die Geschichte schon früh erfasst, sich auf das Alte Ägypten konzentriert und nie wieder losgelassen. In all den Jahren fokussierte ich mich auf das Pyramidenthema und habe gar in Fachblättern Essays dazu geschrieben. Zwischenzeitlich beherrschte ich gar ein recht gesundes Grundwissen über Hieroglyphen und konnte einfache Standarttexte sicher lesen. Ich hatte geheiratet; irgendwie war ich aber immer und über viele Jahre daran gehindert, Kairo zu besuchen. Das war mir erst in meinem vierzigsten Lebensjahr vergönnt.

Wenige Tage vor der Abreise erschrak ich - vom modernen Kairo, vom heutigen Ägypten wusste ich so gut wie GAR NICHTS. In meiner Not rief ich einen Ägyptologenfreund an und fragte ihn, ob Ägypten genauso ticke wie Tunesien, denn da war ich immerhin schon mal vorher. Er bestätigte - und ich flog ab.

Man sollte all das wissen um verstehen zu können, dass mich ein persönliches Erlebnis rein spiritueller Art in Kairo vollkommen veränderte. Ich wollte von Religion(en) nichts wissen und war nach Kairo gekommen, um mich ausgiebig den Pyramiden zu widmen. Doch die verkamen letztlich zur abrundenden Besichtigungsgröße für mich - ich hatte einige Moscheen gesehen, bevor ich auch nur eine Pyramide zu Gesicht bekam. Und ich war froh, als meine kleine Runde am frühen Nachmittag wieder in Kairo-Stadt ankam und mich wieder in Moscheen entließ.

Es war ein ganz spezieller Moment, der mich bis heute vollkommen erfüllt und die Erinnerung daran treibt mir mitunter heute noch, viele Jahre später, die Tränen in die Augen. Das Werk eines genau genommen winzigen Augenblicks - und ich war ein anderer geworden.

Im Laufe der folgenden Jahre las, lernte, fragte und erkannte ich tausend Dinge; mir war, als habe ich Jahrzehnte auf dem Bauch auf einem riesigen Mosaik gelegen und einzelne Steinchen untersucht gehabt und nun richtete mich eine unsichtbare Hand auf, eine Stimme sagte: "Sieh." und ich erkannte erstmals das ganze Bild.

Ich, der ich keine Religion (mehr) kannte weil ich die ganzen, zuckersüßen und falschen Bilder von einem "lieben Gott" mit Rauschebart auf einer Wolke nicht mehr ertragen und von einigen Priestern nie konkrete Antworten auf unliebsame Fragen erhalten hatte, ich senkte den Kopf und gestand mir ein, zu glauben. Mir war keine andere Wahl geblieben.

Beruflich bin ich in einer harten und wasserklaren Welt von Zahlen, Umsätzen, Geschäften und Verträgen gefangen; mein Tag besteht aus Deckungsbeiträgen, tausend Excel-Tabellen, Computerprogrammen und Produktionskennziffern. Da ist nie Platz für eine Religion gewesen und nie Sehnsucht danach.

Ich liebe Ägypten bis heute; darauf angesprochen, sage ich immer lachend: "Eine meiner Herzkammern pumpt kein Blut, sondern Nilwasser."

Und bis heute schwärme ich für altägyptische Architektur, für die stellenweise überirdische Schönheit der Kunst und die gigantomanische Schaffenswut der Pharaonen macht mir zuweilen heute noch den Mund trocken - aber es ist anders geworden für mich, wenn ich in Ägypten bin. Mein Herz gehört heute den Menschen dort; ich verstehe sie und fühle mit ihnen. Heute weiß ich, wie das Herz vor Freude springen kann, wenn Ägypter, Muslime eine Moschee betreten. Ich sehe die gleichen Bilder, ich habe die gleichen Gefühle und es ist Wahrheit darin, dass Allah der Dritte ist, wo sich zwei in seinem Namen treffen.

Es hat mich Jahre gekostet - aber ich bin meinem Ziel ein Stückchen näher gekommen. Mein Dasein hat seinen Grund, seinen Sinn, seine Aufgabe und seine Zukunft. Es ist eingebettet als unverzichtbares Bestandteil in ein vom Menschen nicht zu begreifendes Räderwerk der Welt. Dieses Wissen macht Muslime lächeln, wenn sie sich begegnen. Es lässt sie ihre weltweite Gemeinschaft fühlen und macht sie zu direkten Geschwistern.

Nein - kein einziger Mensch (!) ist für meine Konversion "verantwortlich". Ich wurde nicht missioniert und ich hatte definitiv nicht nach einem Gott gesucht, als ich Allah fand. Im Gegenteil: zu dieser Zeit hätte man mich mit jedem religiösen Thema eher geärgert und wäre einer scharfzüngigen Antwort gewiss gewesen, hätte man mich damit nicht in Ruhe gelassen.

Auf das konkrete Erlebnis selbst möchte ich (hier) nicht eingehen - dazu ist es denn doch ein wenig zu privat. Ich habe es aber natürlich nach anfänglichem Zögern Geschwistern berichtet, die mich eher erstaunt gefragt hatten, wie ein Deutscher "mal eben" zum Islam gefunden haben konnte. Nicht wenige Erwachsene unter ihnen waren allerdings tief davon ergriffen, manche gar zu Tränen berührt. An einem Abend in Assuan musste ich die Geschichte gleich dreimal hintereinander erzählen.

Heute frage ich mich nicht mehr, woher alles kommt oder wohin es geht. Ich habe die Antwort, die sich grundsätzlich immer in vollendetem Einklang mit der Wissenschaft befindet und für mich eine perfekte Harmonie abbildet. In der ersten Zeit als frischgebackener Muslim, der sich beinah ohne jede Vorahnung, ohne jede Vorwarnung mitten im Islam wiedergefunden hatte, war es genau das, was mich sofort maximal mit erst Verwunderung, dann mit Respekt und heute mit Vergnügen erfüllt: die Erkenntnis, dass Islam keine platte Gläubigkeit oder Frömmigkeit kennt und schon mal gar keine kritiklose Hinnahme von Glaubensinhalten. Dass es keine wissenschaftlichen Erkenntnisse und Fakten geben kann, die ihn erschüttern können - eher im Gegenteil: alles, was der Mensch heute (neu) entdeckt, bestätigt den Qur'an. Eine Erkenntnis, die gerade für mich als bekennend verkopften Menschen, der immense Probleme mit kritiklosem Hinnehmen hat, von entscheidender Bedeutung ist.

Ja - ich bin Muslim, und ich bin es von Herzen gern.

12.8.13 09:17


Ägypten - Ein Land ertrinkt in Hass und Blut

Wer mich näher kennt, der weiß auch um meine tiefe Liebe zu diesem Land, der hat auch schon öfter meinen Erzählungen, ja meinen Schwärmereien zugehört und den habe ich teilhaben lassen an tausend mal tausend größeren bis klitzekleinen Geschichten und Geschichtchen, die ich selbst dort schon erlebt habe.

Am Nil hat sich mein Leben nachhaltig verändert. Ägypten hat mich eine furiose Kehrtwende vollführen lassen; das Land hat mich zum respektvollen Zuhörer gemacht, es hat mich gelehrt, es hat mir Fragen beantwortet, die ich mir nie zuvor gestellt hatte.

Ägypten hat mich berührt; ich bin über meine Reisen zum Muslim geworden - Horizonte weit entfernt von lässlicher Touristenschwärmerei. Es ist zur Mutter meiner Gedanken geworden - ganz wie es der Literaturnobelpreisträger Naguib Mahfus einmal bei einem Interview ausgedrückt hatte. Er wurde einmal gefragt, wie er die Geschichte der Überfälle auf sein Land als ägyptischer Patriot eigentlich empfände und er sagte, umwerfend wie unvergesslich, dass Ägypten schon viele Kinder an seiner Brust genährt und auch wieder entlassen habe. Sie alle seien bereichert wieder gegangen.

Und nun, nachdem ich 2011 die Revolution angespannt verfolgt und über den Erfolg wie ein Kind beinah geweint hatte, nun sehe ich Ägypten wieder knietief in Gewalt, Zerstörung, Hass und Blut waten - und kann das alles gar nicht begreifen. Was da passiert, das ist nicht Ägypten, das ist die Verzweiflung eines gehetzten Tieres.

Ich behaupte die Menschen dort zu kennen. Ich habe mit ihnen zusammen gegessen, gefeiert, gelacht, gewohnt und gebetet. Ich spendete und wurde so reich beschenkt, dass ich mich beinahe schämte.

Mir zerreisst es das Herz - es tut ganz unmittelbar und entsetzlich weh in mir, was da augenblicklich geschieht.

26.7.13 10:58


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